Der Bachtelturm

Der Bachtelwirt baute 1873 nebst einer Kegelbahn einen 27 Meter hohen hölzernen Turm. Zuoberst errichtete man eine geschlossene Aussichtsterrasse. Durch verschieden farbige Fenster erblickten die Gäste die Landschaft in rosarot oder himmelblau. Dafür kassierte der Wirt 5 Rappen pro Person. Am 6. Januar 1890 fegte ein orkanartiger Sturm über das Oberland. Der Turm hielt dieser Belastung nicht stand und fiel in sich zusammen. Dem Wirt und den Besuchern verblieb nur ein grosser Haufen Brennholz und ein farbiger Scherbenhaufen.


Zum Bachtel gehört ein Turm. Das fanden auch die Teilnehmer der Réunion 1893. Man beschloss eine Geldsammlung zur Erstellung eines eisernen Turms. In kurzer Zeit waren 2'500 Franken beisammen, und mit viel Optimismus wollte man bis Baubeginn den Betrag von 12'000 Franken zusammenbringen.


Am 1. Mai 1893 schloss der SAC Bachtel mit dem damaligen Bachtelwirt einen Vertrag zum Bau eines eisernen Turmes ab. Dieser regelte auch die finanziellen Modalitäten. Zugleich fand eine Ausschreibung der Arbeiten statt. Als Vorbild diente der um 1889 erstellte Turm auf dem Eschenberg bei Winterthur. Die Herren Bosshard & Cie. in Näfels übernahmen die Lieferung und Montage des Werkes. Nicht inbegriffen war der Transport vom Bahnhof Hinwil auf den Bachtel, der durch ortsansässige Unternehmer vorgenommen wurden. In Rekordzeit wurde der Turm gebaut und am 29. August 1893 eingeweiht. Das Nachtessen anlässlich der Feierlichkeiten kostete 1 Franken, allerdings ohne Getränke. Bis lange in die Nacht hinein wurde an jenem Tag gefeiert, Feuerwerk inklusive. Erst nach Mitternacht ist man bei Fackelschein ins Tal abgestiegen. Ohne Transporte und Fundament kostete der Turm 12'700 Franken.


Der eiserne Turm wies eine Höhe von 54 Metern auf. In dessen Mitte führte eine Treppe mit 159 Stufen zur Aussichtsplattform in 30 Metern Höhe.


Der Turm verblieb im Eigentum der Sektion Bachtel des SAC, und die Genossenschaft verpflichtete sich für den Unterhalt des Turmes zu sorgen. Nicht immer bereitete das Wahrzeichen nur Freude, es brachte auch finanzielle Verpflichtungen. In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts sollte der Turm neu gestrichen werden. Die Genossenschaft wusste nicht wie sie neben dem normalen Gebäudeunterhalt 15'000 Franken für den Neuanstrich des Turmes aufbringen sollte. Man gelangte mit der Bitte um Finanzhilfe an das damalige EMD, welches den Turm auch zur Fliegerbeobachtung nutzte. Aus Bern kam aber ein abschlägiger Bericht weil man den Turm nicht mehr brauchte. Die GBK hatte damals wenig Interesse am Turm, da die Aussicht nach Osten, Süden und Westen auch ohne Turm vom Gasthaus aus möglich war. Doch wieder einmal zeigte sich die Verbundenheit der Bevölkerung mit dem Bachtel. Innert Kürze brachte eine Sammlung 16'042.40 Franken zusammen. Und der Turm konnte renoviert werden.


Im Januar 1983 orientierte die Fernmeldedirektion erstmals die Behörden und interessierte Kreise über den Bau einer UKW-Station auf dem Bachtel-Kulm. Zur besseren Übertragung von Radiosendungen im Zürcher Oberland, aber auch für Funk und Telefonie wurde ein neuer Turm gebaut. Er weist zurzeit eine Höhe von 75 Metern auf und wiederum lädt eine Aussichtsplattform, die man nach dem Erklimmen von 166 Stufen erreicht, auf 30 Metern Höhe zum Rundblick ein. Eingeweiht wurde der neue Turm am 22. September 1986. Der Turm gehört der Swisscom und wurde im Baurecht der GBK erstellt.


Der alte eiserne Turm wurde im November 1985 Stück für Stück demontiert und eingelagert, denn nach dem Neuanstrich 1955 war er immer noch in gutem Zustand. Nach Abklärung verschiedener Standorte wurde der Turm 1992 auf der Hochwacht am Pfannenstiel wieder aufgebaut und am 2. Oktober desselben Jahres eingeweiht. So konnte der bei vielen bekannte Turm 1993 sein 100 jähriges Jubiläum feiern.


Bereits der alte Turm hatte einen von Friedrich Elmer aus Wald erstellten Alpenzeiger mit dem man über das „Visier“ die verschiedenen Gipfel identifizieren konnte. Deshalb war diese Einrichtung sehr beliebt und man rüstete den neuen Turm ebenfalls mit einem Alpenzeiger aus. Das neu geschaffene Werk ist Paul Thalmann zu verdanken, der gemeinsam mit Hans Nussberger einen neuen Alpenzeiger erstellte und ein Panorama zeichnete. Wer sich die Turmbesteigung nicht zutraut kann sich am neuen Panoramabild vor dem Restaurant orientieren, das von Walter Brändli erstellt wurde.